

Sittich Karl Rudolf Hans von Berlepsch wurde 1857 auf Burg Seebach geboren, wo er auch im Jahre 1933 verstarb. Er gilt als Nestor des Vogelschutzes in Deutschland, sowohl als einer der Begründer des wissenschaftlichen wie auch des praktischen Vogelschutzes. So legte er erste Vogelschutzgehölze an, entwarf wintersichere Vogelhäuser und konzipierte Nistkästen (z. B. die „von Berlepsche Nisthöhle“). Unter Ornithologen sehr bekannt ist sein in zwölf Auflagen erschienenes Buch: Der gesamte Vogelschutz. Berlepsch legte die Grundlagen dafür, dass seine Wasserburg Seebach 1936 der offizielle Titel „Vogelschutzwarte“ verliehen werden konnte. Heute wird Seebach vom Freistaat Thüringen als Staatliche Vogelschutzwarte betrieben.

Hans Hermann, genannt Hans, wurde 1850 in Fahrenbach bei Witzenhausen/Werra geboren. Sein Interesse für die Vogelwelt wurde schon früh durch seinen Vater geweckt. Hans studierte Ornithologie. Schon als Student erwarb er eine größere Kollektion Bälge südbrasilianischer Vögel, die später sein Spezialgebiet wurden. Er bestimmte Arten, beschrieb und systematisierte sie zum Teil als erster. Seine Sammlung umfasste bei seinem Tode 1915 über 50.000 Exemplare und wurde später an das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt (Main) verkauft. (Quelle: W. Brauneis, VON BERLEPSCH, Zwei Ornithologen aus Hessen und Thüringen; Selbstverlag 2007)

Hans Eduard von Berlepsch-Valendàs wurde 1849 als Sohn von Hermann Alexander in St.Gallen/ Schweiz geboren. Als Jugendstil-Architekt, Maler und Kunstgewerbler ist er zu einem Wegbereiter des Jugendstils in München und Zürich geworden. Er wurde beeinflusst von der englischen Gartenstadtbewegung und legte sozialreformerisch engagierte Entwürfe für Siedlungen und Arbeiterwohnhäuser vor. Auf seinem Landsitz in Planegg gründete und leitete er eine „Schule für Malerei und Dekorative Kunst“.

Dr. phil. et jur. h.c. Hans Hermann Frhr. von Berlepsch wurde 1843 als Sohn des Oberlandforstmeisters August in Dresden geboren und verstarb 1926 auf seinem Gut in Seebach. Als Kenner der industriellen Verhältnisse im Osten und Westen wurde er auf Bismarcks Empfehlung hin 1890 preußischer Minister für Handel und Gewerbe, unterstütze Caprivis Handelspolitik, leitete die internationale Arbeiterschutzkonferenz in Berlin 1890 und brachte die Novelle zur Gewerbeordnung ein. Auch nach seinem Rücktritt als Minister 1896, blieb er weiter für die Arbeiterschaft tätig. Er half die Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz zu gründen und wurde Vorsitzender der Dt. Ges. für soziale Reform. Die Goldreinette Frhr. von Berlepsch – eine Apfelzüchtung von 1880 aus Grevenbroich am Niederrhein, trägt ihm zu Ehren seinen Namen.

Karoline (Lina) Freifrau von Berlepsch kam als Karoline Welebil im Jahre 1829 in München zur Welt. Sie arbeitete als Schriftstellerin. In zweiter Ehe war sie mit dem Bienenbaron August von Berlepsch verheiratet. Sie übersetzte und bearbeitete vornehmlich amerikanische Romane und Erzählungen, insgesamt etwa 70 Romane und über 200 Novellen. Diese erschienen in Zeitschriften, separat im Druck oder in einer 60-bändigen Romanbibliothek (zwischen 1895 und 1903 von J. Habbel veröffentlicht). Ihre Werke fanden eine große Leserschar.

August Sittich von Berlepsch, geboren 1815 auf Schloss Seebach, war ein bedeutender Bienenkundler, Erfinder des beweglichen Wabenrähmchens, das bis heute in der Imkerei Verwendung findet und Verfasser mehrerer Monografien über Bienenzucht und Imkerei. Während seiner Studienzeit in München wirkte er als Stadtimker und beobachtete das Schwarmverhalten der Bienen. Er verteidigte 1853 die wissenschaftliche Entdeckung der Jungfernzeugung männlicher Bienen (Parthenogenese) von Johann Dzierzon bis zu deren mikroskopischen Nachweis. August starb 1877 in München wo sich auch sein Grabmal auf dem Alten Südfriedhof befindet.

Hermann Alexander von Berlepsch wurde 1814 als Sohn Friedrich Ludwig von Berlepschs in Göttingen geboren. 1818 kam er nach Erfurt wo er Gymnasium und Handelsschule besuchte. 1838 übernahm er in Erfurt eine Buchhandlung. Mit der Revolution 1848/49 erreichte die liberal-demokratische Nationalbewegung in Deutschland ihren Höhepunkt. In der 1848 in der Frankfurter Paulskirche tagenden Nationalversammlung sollte eine freiheitliche Verfassung ausgearbeitet werden, bei der auch Hermann Alexander anwesend war. Er hatte zuvor die „Thüringer Volkstage“ initiiert, mit denen die „Erschaffung der Einheit im Thüringer Volke“ erzielt werden sollte. Damit legte er den Grundstein des Freistaates Thüringen. (Quelle: Erfurt.de – das offizielle Stadtportal der Landeshauptstadt Thüringens, 2021). Nach Scheitern der Revolution flüchtete Berlepsch in die Schweiz. In der neuen Heimat wurde er Mitarbeiter der Illustrierten Schweizer Zeitung, verfasste eine umfangreiche "Chronik der Gewerke" und zahlreiche Reiseführer. Hermann Alexander starb 1883 in Zürich.

Gottlob Franz August Adolph Frhr. von Berlepsch wurde 1790 auf dem Klostergut in Seebach geboren. Aufgrund der Kriegsereignisse verließ er Seebach und trat in die Forstlehranstalt des Forstmeisters Heinrich Cotta in Zillbach ein. 1811 folgte er seinem Lehrmeister, der als Forstrat nach Tharandt berufen wurde. 1812 wurde August in die Oberforstmeisterei Pretzsch berufen, um diese nach Cottas System einzurichten. 1854 wurde er zum Königlich Sächsischen Oberlandforstmeister mit dem Range eines Geheimen Rates ernannt. Unter seiner langjährigen Verwaltung erreichte das sächsische Forstwesen eine allgemein anerkannte hohe Blüte. August starb 1867 in Dresden und ist der Begründer der Berlepschen Erbbegräbnisstätte auf dem Trinitatisfriedhof.

Dorothea Friderika Aemilia von Berlepsch, geborene von Oppel, lebte von 1755 bis 1830. Sie war bis zu ihrer Scheidung in erster Ehe mit Friedrich Ludwig von Berlepsch verheiratet. Da sie sich für die weibliche Unabhängigkeit in der Ehe und eine autonome weibliche Kultur einsetzte, kann sie als eine der ersten Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts betrachtet werden. Bekannt wurde sie darüber hinaus als Lyrikerin, Essayistin und Verfasserin von Reiseliteratur. Ihr wichtigstes Werk Caledonia, gilt als erste Beschreibung Schottlands durch eine deutsche Schriftstellerin überhaupt. Sie war in Weimar bekannt, eine enge Freundin Herders und kurzzeitige Verlobte von Jean Paul (Quelle.; Günter de Bruyn, Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter, Mitteldeutscher Verlag, Halle 1975). Adolph Frhr. v. Knigge widmete ihr sein berühmtes Buch; Über den Umgang mit Menschen."

Dr. Friedrich Ludwig Freiherr von Berlepsch wurde 1749 in Stade geboren. Er war hannoverscher Hofrichter und Schatzrat. Als zukünftiger Staatsbeamter studierte er Jurisprudenz. Der Kurfürst von Hannover, der in Personalunion König Georg III. von Großbritannien war, berief ihn als hannoverschen Hofrichter, in eines der höchsten Staatsämter. Weil er mehr Rechte für die Städte und Gemeinden forderte, wurde er 1796 auf Befehl des Landesherren ohne Angabe von Gründen und ohne Pensionsanspruch aus seinen sämtlichen Ämtern entlassen, eine sogen. demissio simplex, wogegen er jahrelang prozessierte. Im Jahre 1803 besetzte Napoleon das Kurfürstentum Hannover und gründete das Königreich Westfalen. 1808 nahm Friedrich Ludwig die Stelle des Präfekten des Werradepartements an. Er fühlte sich verpflichtet, die Bevölkerung so viel wie möglich vor Ausbeutung zu schützen und verlangte die Senkung der Steuerlasten. 1816 siedelte er in das preußische Erfurt über, wo er 1818 starb. Der neue Monarch in Hannover, Wilhelm IV. (ab 1830), fand sich endlich zu einem Kompromiss bereit und entschädigte Berlepschs Erben.

Marie Gertrude, geborene Wolff von Gudenberg (* 1654) aus Hessen, wurde 1672 mit Wilhelm Ludwig von Berlepsch zu Eichenzell (1639-1676) vermählt. Nach dessen frühem Tod begann ihre Karriere als Oberhofmeisterin und Vertraute von Marie Anna von der Pfalz, der späteren Gattin von König Karl II. von Spanien. Sie wurde zur Donna de Honora ernannt. In dieser Stellung hatte sie entscheidenden Einfluss auf die Geschichte Spaniens und damit auch auf Europa. 1695 erhob sie der Kaiser in den Reichsgrafenstand. 1706 wurde sie zur ersten Äbtissin des neugegründeten weltlichen Fräulein-Stiftes in Prag gewählt.
Erich Volkmar von Berlepsch (1525-1589) war ein bedeutender sächsischer Diplomat und Politiker des 16. Jahrhunderts. Er diente u. a. als Statthalter über Thüringen und Oberhofrichter zu Leipzig und war ein diplomatischer Gesandter dreier sächsischer Kurfürsten. Er wurde während des Deutschen Bauernkrieges 1525 zu Urleben bei Langensalza geboren, studierte in Marburg und Leipzig und bereiste Europa, bevor er in die Dienste des Herzogs Moritz von Sachsen trat. Erich Volkmar stand durch seine Tätigkeit im Mittelpunkt des politischen Lebens des kursächsischen Hofes. Er war an zahlreichen diplomatischen Missionen beteiligt und trat als Gesandter bei Reichstagen und Kaiserkrönungen auf.

Am 4. Mai 1521 fanden der Überfall auf Martin Luther bei Altenstein, seine Scheingefangennahme und Überstellung auf die Wartburg statt. Details zu Berlepschs Einbeziehung und Rolle dabei sind spekulativ. Sicher scheinen nur die Eckdaten zu sein, nach denen der Burghauptmann selbst auf dem Reichstag in Worms zugegen war und den Scheinhäftling am Entführungstage auf der Wartburg in Empfang nahm. Berlepsch war nicht nur Gastgeber, sondern über ihn lief auch die Korrespondenz Luthers mit der Umwelt. Wegen der Geheimhaltung des Aufenthaltsortes nannte Luther seinen Beschützer erst 1540 beim Namen (Quelle: Aufsatz von Hilmar Schwarz, Wartburg-Jahrbuch 2014; Schnell und Steiner, Regensburg 2015).

Sein genaues Geburtsjahr ist unbekannt; mutmaßlich zwischen 1480 und 1490. Er starb am 28. Februar 1533 auf der Burg Heldrungen. Hans Vater war Sittich I., der fünfte Erbkämmerer von Hessen. 1517 ernannte Kurfürst Friedrich III. von Sachsen (der Weise, reg. 1486 - 1525) Hans zum Kommandanten und Amtmann der Wartburg/Eisenach. Er beherbergte von Mai 1521 bis März 1522 den Reformator Martin Luther auf der Wartburg. Hans erwarb die Wasserburg Seebach sowie mehreren umliegende Ländereien zwischen (Langen-)Salza und Mühlhausen. Alle heute lebenden Berlepsch sind seine Nachfahren.

Die römisch-deutschen Kaiser ernannten treue und fähige Herrscher zur Hofhaltung in ihren Territorien. Dazu gehörten die Kämmerer, verantwortlich für Finanzen und Dienerschaft. Hinter diesen Ämtern stand die gesamte Familie. Sie wurden vererbt. Im Falle der Landgrafschaft Hessen bestimmte Heinrich II. (der Eiserne, * 1328) 1369 den Ritter Arnold von Berlepsch zum ersten Erbkämmerer von Hessen.

Die Familie von Berlepsch entstand im 11. Jahrhundert durch Belehnungen im Raum Werra-Leine. 1369 wurde Arnold von Berlepsch erster Erbkämmerer von Hessen, ein Amt, das bis heute besteht. Nach der Pest von 1392 sicherte Sittich von Berlepsch das Familienerbe. Die Familie erlangte später Bekanntheit durch diplomatische, politische und naturkundliche Leistungen.